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SoSafes Phishing-Simulationen aus dem Jahr 2021 verzeichneten bei jüngeren Teilnehmenden höhere durchschnittliche Klickraten als bei Menschen über 50. Das ist ein Hinweis auf beobachtetes Verhalten in simulierten E-Mail-Tests – kein Beleg dafür, dass jüngere Menschen im Alltag häufiger Opfer echter Angriffe werden oder das Alter die Ursache ist.
Was SoSafe bei den Phishing-Tests feststellte
In einer am 13. Oktober 2022 veröffentlichten Mitteilung berichtete SoSafe über den jährlichen Phish Test, den das Unternehmen gemeinsam mit Botfrei durchführte. 2021 erhielten dabei mehr als 1.350 Nutzer realitätsnah gestaltete, simulierte Phishing-E-Mails. In der Zusammenfassung lag die durchschnittliche Klickrate bei 29 Prozent für Teilnehmende zwischen 18 und 39 Jahren und bei 19 Prozent für Menschen über 50. SoSafes Mitteilung vom 13. Oktober 2022
Die Mitteilung nennt außerdem 30 Prozent der Teilnehmenden, die mindestens eine simulierte Phishing-Mail anklickten. Diese Gesamtzahl ist nicht mit den beiden Altersraten gleichzusetzen: Die veröffentlichten Angaben belegen nicht, dass alle Werte denselben Nenner oder exakt dieselbe Auswertung verwenden.
Warum SoSafes Altersgruppen nicht zusammengelegt werden sollten
SoSafes Human Risk Review 2022 fasst mehrere Datensätze zusammen. Dazu gehören eine Befragung von 251 IT-Sicherheitsverantwortlichen, Plattformdaten zu 4,3 Millionen simulierten Phishing-Angriffen bei 1.500 Kundenorganisationen sowie Phish-Test-Daten von 1.350 Nutzern aus dem Jahr 2021. Für die Altersauswertung nennt der Bericht 28,6 Prozent bei den 18- bis 49-Jährigen und 19 Prozent bei den über 50-Jährigen.
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Das ist eine andere Abgrenzung der jüngeren Gruppe als in der Pressemitteilung, die 18- bis 39-Jährige nennt. Die Prozentwerte sollten deshalb nicht zu einer einzigen Alterskennzahl verschmolzen werden. Auch die 4,3 Millionen simulierten Angriffe sind ein eigener Plattform-Datensatz und nicht die Zahl der Nachrichten im Phish Test mit 1.350 Nutzern.
| Angabe | Altersgruppe und Klickrate | Datengrundlage |
|---|---|---|
| SoSafe-Pressemitteilung 2022, Daten aus 2021 | 18–39 Jahre: 29 Prozent; über 50: 19 Prozent | Phish Test mit mehr als 1.350 Nutzern |
| Human Risk Review 2022 | 18–49 Jahre: 28,6 Prozent; über 50: 19 Prozent | Altersauswertung des Berichts; der Bericht nennt daneben weitere, getrennte Datenströme |
| Human Risk Review 2021 | 18–29 Jahre: 38 Prozent | Frühere Übung und anderer Studienkontext; nicht direkt mit den 2022-Angaben vergleichbar |
Der ältere Wert von 38 Prozent stammt aus SoSafes Human Risk Review 2021. Wegen anderer Altersgruppen und eines anderen Studienkontexts lässt er sich nicht als sauberer Anstieg oder Rückgang gegenüber den späteren Werten lesen.
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Was die Zahlen aussagen – und was nicht
Die Werte beschreiben Klicks auf simulierte Nachrichten unter den jeweiligen Testbedingungen. Sie sind keine gemessenen Erfolgsquoten echter Phishing-Angriffe und keine aktuelle Schätzung dafür, wie häufig Menschen einer Altersgruppe 2026 betroffen sind. Die zentrale Datenerhebung fand 2021 statt; die dazugehörige Pressemitteilung erschien 2022.
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- Die Ergebnisse gelten für die untersuchten Teilnehmenden und Simulationen, nicht automatisch für alle Beschäftigten oder die Bevölkerung.
- Sie zeigen keinen Beweis dafür, dass das Alter selbst die Klickentscheidung verursacht. Stichprobe, Auswahl der Nachrichten, Arbeitsumfeld und weitere Faktoren können das beobachtete Verhalten beeinflussen.
- Eine höhere Gruppenrate bedeutet nicht, dass jede jüngere Person unvorsichtiger ist; ebenso wenig sind ältere Menschen vor Phishing gefeit.
- Die unterschiedlichen Altersgrenzen und Datensätze machen einen direkten Jahresvergleich unsicher, solange vergleichbare Erhebungsmethoden und Stichproben nicht belegt sind.
Auch die Forschung zu Phishing-Verhalten mahnt zur Vorsicht, Ergebnisse einzelner Nutzerstudien auf reale Angriffe und größere Bevölkerungsgruppen zu übertragen. Die methodische Übersicht zu Phishing-Nutzerstudien ist daher ein hilfreicher Kontext, ersetzt aber keine Aussage über die Ursachen der SoSafe-Ergebnisse.
Warum auch technisch versierte Menschen auf Phishing hereinfallen können
SoSafe führte besonders klickstarke Betreffzeilen auf emotionale Beeinflussung zurück, etwa auf Zeitdruck, Angst, Neugier, Autorität oder die Aussicht auf finanziellen Gewinn. Das ist die Beschreibung des Unternehmens zu seinen Analysen, keine allgemeingültige Rangliste der wirksamsten Taktiken für jede Art von Phishing.
SoSafe-CEO Niklas Hellemann sagte in der Mitteilung vom 13. Oktober 2022: „Cyber-Kriminelle setzen schon lange eine breit gefächerte Palette psychologischer Taktiken ein, die menschliche Emotionen wie Stress, Angst oder Respekt vor Autorität ausnutzen.“ Vertrautheit mit digitalen Geräten allein schützt nicht zwingend vor solchen Situationen: Eine Nachricht kann plausibel wirken und zugleich eine schnelle Reaktion nahelegen.
Independent reader supportYour contribution helps us test, update, and keep practical guides available for everyone.Was Unternehmen aus dem Befund ableiten können
Die Alterswerte eignen sich nicht als Grundlage, um einzelne Beschäftigte nach Geburtsjahr einzustufen. Praktischer ist es, Sicherheitsverhalten im konkreten Arbeitskontext zu fördern: Mitarbeitende können lernen, ungewöhnliche Aufforderungen zu prüfen, unerwartete Links nicht reflexhaft zu öffnen und verdächtige Nachrichten über einen bekannten, unabhängigen Kontaktweg zu verifizieren.
SoSafe beschreibt in seinem Human Risk Review eine Kombination aus E-Learning und Phishing-Simulationen als Funktionen seiner Plattform. Das ist eine Beschreibung des Anbieters, kein unabhängiger Nachweis dafür, dass ein bestimmtes Trainingsangebot die Klickrate in jedem Unternehmen senkt. SoSafes Berichtseite zum Human Risk Review 2022
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